Alte Pferde gymnastizieren – 5 Übungen

Der Anteil der über 15 jährigen Pferde hat sich nach eigenen Erfahrungen und Statistiken in den letzten Jahren von rund 12 % auf heute 27% gesteigert.
Quelle: https://kaikreling.de/ 


Wie bei uns Menschen verändert sich auch bei unseren geliebten Vierbeinern im Alter vieles. Nicht nur äußerlich werden sie grauer und der Rücken fängt an nach unten zu sacken, auch verändert sich vieles in den Bereichen, die wir nicht einsehen können. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, Sehnen sind nicht mehr so elastisch, Bänder verlieren ihre Stabilität. Den Zähnen muss noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden und eine ausgewogene, abgestimmte Fütterung ist wichtig. Das hört sich natürlich alles irgendwie dramatisch an, ist es aber eigentlich gar nicht. Es gehört eben zum „alt werden“ dazu und man kann sich sehr gut darauf einstellen.

Auf eventuelle körperliche Maßnahmen beim alten Pferd, möchte ich aber heute nicht eingehen. Mir geht es viel mehr um einen anderen Punkt: Denn auch die Bewegung unserer alten Pferde gehört zur Gesunderhaltung dazu! Wenn nicht eine Lahmheit vorliegt, spricht eigentlich nichts dagegen auch unsere alten Pferde zu reiten. Wie sagte mir auch mein Tierarzt „Wer rastet, der rostet“. Und so ist es auch: längere Pausen, die nicht auf gesundheitliche Probleme zurück zu führen sind, sind gift für unsere älteren Pferde. Die Muskulatur baut schneller ab als bei den jungen und weniger schnell wieder auf, die Gelenke werden steifer und der Bewegungsablauf mühseliger. Ich rede natürlich nicht davon, dass unsere älteren Pferde täglich auf höchsten Niveau trainiert werden! Das Training muss natürlich auf den gesundheitlichen und körperlichen Zustand des Pferdes angepasst werden. Ziel sollte es dennoch für uns sein, die ersten drei Punkte der Ausbildungsskala, nämlich Takt, Losgelassenheit und Anlehnung zu erreichen. Dies kann man auch durch einige gymnastizierende Übungen erreichen.

Für mich steht auch bei meinem Rubi die gymnastizierende Arbeit deutlich im Vordergrund, egal ob beim Reiten, Longieren oder bei der Bodenarbeit. Und eins habe ich durch meinen Rubi auch gelernt: Unsere Pferde zeigen uns, wie viel „noch geht“. Und es wird Tage geben, da laufen sie wie in alten Zeiten geschmeidig durch die Halle. Und es wird Tage geben, da begnügen wir uns mit ein paar kurzen Trabeinheiten.


Mögliche Übungen zur Gymnastizierung des Pferdes

Das WICHTIGSTE vor jeder Bewegungseinheit ist eine lange Schrittphase von 15 Minuten, am besten sogar 20 Minuten. Dies ist wichtig für die Sehnen, Bänder, Muskeln und die Gelenke. Die Lösungsphase erfolgt zunächst im Leichttraben auf großen Linien wie ganze Bahn, Zirkel, einfache Schlangenlinien, etc, gleichmäßig auf beiden Händen. Der Hals des Pferdes ist in der Lösungsphase länger gedehnt, wir Reiter halten dabei aber die Verbindung zum Maul.

Schenkelweichen
Bereits im Schritt können wir Schenkelweichen einbauen. Allerdings nur kurze Reprisen für einige Meter, dann reiten wir wieder geradeaus. Nach der Lösungsphase können die Strecken verlängert und zu einem Viereck verkleinern/vergrößern ausgebaut werden. Beim Schenkelweichen mache ich mein Pferd nicht nur auf meine Hilfen aufmerksam, er muss auch bewusster seine Beine koordinieren und seinen Rückenmuskel benutzen.

Übergänge, Übergänge, Übergänge…..
Übergänge sind eine unerlässliche gymnastizierende Übung. Die Pferde müssen sich dabei immer wieder „neu sortieren“, werden angeregt unter den Schwerpunkt zu treten, mehr Last aufzunehmen und den Rückenmuskel zu bewegen. Mögliche Übergänge sind zu, Beispiel

„Schritt – Halten – Schritt“
Nach der ersten Schrittphase nehmen wir die Zügel mehr auf und reiten Übergänge vom Schritt zum Halten und wieder in den Schritt. Das Pferd schiebt damit die Hinterhand im Idealfall unter den Schwerpunkt und muss auch wieder aktiv mit der Hinterhand antreten. Wichtig ist, dass beim Halten das Pferd ruhig und gelassen steht.

„Trab – Schritt – Trab“
Auch schon in der Lösungsphase kann ich Übergänge vom Trab zum Schritt und wieder in den Trab einbauen. Der Übergang zum Schritt sorgt für Ruhe und Kontrolle und das Antraben soll das Engagement der Hinterhand und die Reaktion des Pferdes fördern.

„Galopp – Trab – Galopp“
Kurze Reprisen. Also drei, vier Galoppsprünge, durchparieren, drei, vier Trabtritte, wieder angaloppieren. Hier müssen die Pferde besonders schnell ihren Rückenmuskel neu koordinieren, den Rückenmuskel an- und entspannen um die Übergänge überhaupt taktmäßig geregelt zu bekommen.

Schlangenlinien
Stelle ich mein Pferd korrekt an den entsprechenden Punkten um, fördere ich die Stellung und Biegung und lockere somit auch die Halsmuskulatur meines Pferdes. Nach der Lösungsphase kann ich auch in Schlangenlinien entsprechende Übergänge von einer in die andere Gangart einbauen.

Tempounterschiede
Kurze Reprisen fördern die Reaktionsschnelligkeit des Pferdes und fördern deutlich die Rückentätigkeit. Das Pferd muss energischer mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt fußen.

Stangenarbeit
Die Arbeit mit Stangen kann den Pferden nicht nur viel Spaß machen, fördert auch gleichzeitig die Balance und die Koordination der Pferde. Stangenarbeit kann auch im Schritt erfolgen und man kann sie in die tägliche Arbeit wunderbar mit einbauen. Legt euch zum Beispiel an einer langen Seite vier Schrittstangen hin. Kommt auf die Stangen drauf zugetrabt, pariert einen Meter vorher durch, reitet im Schritt über die Stangen und trabt direkt im Anschluss wieder an.

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