Wenn aus rosarot auf einmal schwarz wird…

Schaut man sich auf den Social Media Plattformen um, sieht man sie, die rosarote Reitsportwelt. Dort wird übers Stoppelfeld galoppiert, nebenan ist man mit dem Pferd schwimmen, drüben gewinnt man gerade eine goldene Turnierschleife, gegenüber liegt man entspannt mit dem Pferd im Gras und hier bedankt man sich für eine gelungene Reitstunde. Überall wird sich gefreut und man ist glücklich mit seinen gesunden Vierbeinern. Wenn sich dann aber am rosaroten Himmel plötzlich schwarze Wolken aufziehen, dann gibt es tatsächlich nur noch wenige Blogger (oder solche die es mal werden möchten) die darüber berichten. Dabei gehört das doch zu unserem Pferdealltag dazu, ist sogar meist ein wichtiger Bestandteil. Es läuft nun mal nicht alles rund im Leben, egal ob im Alltag, beim Training oder auf dem Turnier. Und dann gibt es eben leider auch die Momente, wo unsere geliebten Vierbeiner krank werden. Der eine seltener, der andere leider einfach öfters. Und das sind doch eigentlich die Momente, die uns bewusstwerden lassen, wie sehr wir diese Tiere lieben, wie sehr uns doch alle Turnierschleifen oder Stoppelfeldritte der Welt egal sind, wenn wir uns doch nur noch wünschen, dass unsere Pferde schnell wieder gesundwerden.

Wer mich kennt weiß das ich eben nicht nur über die positiven Seiten in meinem Reitsportleben berichte sondern auch mit den Krankheiten meiner Pferde sehr offen umgehe. Der ein oder andere mag es daher übertrieben oder gar unnötig finden, aber für mich ist es wichtig euch einen wirklich realen Einblick in den Pferdealltag zu geben und nicht alles zu beschönigen. Ich weiß gar nicht wie viele Pferdebesitzer ihre geplanten Urlaube doch wieder ausfallen lassen haben, weil sie ihr Reisebudget für die nächste USA Reise dann doch wieder in den Klinikaufenthalt des Pferdes gesteckt haben. Ist sowas schlimm? Ganz und gar nicht! Denn es zeigt doch eher wie sehr uns unsere Vierbeiner am Herzen liegen und das wir persönlich auch für sie zurückstecken.

 

Für mich verdunkelte sich mein schöner rosaroter Pferdehimmel am vergangenem Sonntag wieder einmal. Schon als ich im Stall ankam und Rubi sah, merkte ich das irgendwas nicht stimmt. Er war sehr schlapp, gut wer ist das bei dieser Hitzewelle nicht, aber er hatte einige seltsame Anzeichen. Im Stehen „nickte“ er einmal richtig weg, wie als ob er sediert wäre. Ich bot im Mash an, daran schlabberte er zwar eine halbe Stunde lang rum, aber eigentlich nahm er nichts davon wirklich auf. Wie als ob er sich etwas in den Mund nimmt und es wieder zurück spuckt und das Spiel immer und immer wiederholt. Zurück in der Box hat es keine fünf Minuten gedauert, da hat er sich in das frische Heu, was es kurz vorher gab, hingelegt. Er lag ruhig und aufrecht, aber er lag. Und das ist untypisch für Rubi durch und durch. Ich habe direkt den Tierarzt angerufen, tippte selber auf Kreislaufkolik. Rubi stand nach 5 Minuten wieder auf, nuschelte an seinem Heut, legte sich 15 Minuten später wieder hin. Dann kam auch die Tierärztin und untersuchte ihn. Bei der rektalen Untersuchung kam sie gerade mal mit der Hand rein, Rubi war komplett verstopft. Verstopft mit hartem, festen Kot. Der Darm war prall gefüllt und nichts kam freiwillig raus. Also gab es für Rubi neben einer Krampflösenden Spritze noch durch eine Nasen-Schlund Sonde einen Einlauf mit Wasser, Öl und Salz. Es folgte die Aufgabe für mich, dass ich alle Stunde nun 10 Minuten führen soll und ihn auch die Nacht beobachten sollte. Es musste bis 23 Uhr äppeln und es dürfen keine Kolikanzeichen mehr kommen. Also richtete ich mich campingmäßig im Stall ein, bekam noch Besuch von meiner besten Freundin, mein Mann und meine Mutter waren auch noch dabei. Da die Vermutung aufkam, dass die Verstopfung durch zu wenig Wasseraufnahme kommt, habe ich Rubi zusätzlich noch Wasser in die Box gehangen, auch einmal einen großen Eimer „Mashwasser“. Zwei Stunde vergingen und nach dem zweiten Mal Schritt führen ging es wieder los, er legte sich wieder hin. Dieses Mal aber ganz flach, er zeigte mit weit geöffneten Augen viel weiß, dann auf einmal gingen seine Augen zu und man kann sagen, er schaltete irgendwie ab. Ich hatte schon wieder das Handy am Ohr und sagte in der Klinik Bescheid das wir nun kommen würden. Es kostete etwas Überzeugung, damit Rubi wieder aufgestanden ist. Dann ging alles relativ schnell, Hänger angehangen, vor den Stall gestellt, Transportgamaschen drauf und los ging es. 15 Minuten später waren wir schon an der Klinik. Da war es mittlerweile 21.50 Uhr. Rubi wurde nochmals rektal untersucht, etwas gelöster Kot war am Ausgang zu finden, dahinter war es aber immer noch fest und hart. Er bekam einen Venenkatäther, belegte eine Intensivbox und wurde an eine Infusion angehangen, welche seinen Flüssigkeitshaushalt regulieren sollte. Wir blieben noch etwas bei ihm und sind dann auch Heim gefahren.

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Am nächsten Tag um 10.30 Uhr war ich wieder in der Klinik bei Rubi vor Ort. Er hatte über die Nacht etwas Kot abgesetzt, hing aber immer noch an der Infusion. Ich durfte ihn dann 30 Minuten Schritt führen, zwischendrin bekam er noch eine Untersuchung, die Gott sei Dank komplett unauffällig war. Rubi wirkte Gott sei Dank schon deutlich Wacher.

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Nachmittags um 17.30 Uhr war ich nochmals da, da liefen gerade die letzten Tropfen der Infusion durch. Auch vorerst seine letzten Tropfen. Wir gingen nochmals 30 Minuten Schritt und habe ihm die Beine abgespritzt. Am Abend wurde dann angefangen ganz langsam Heu an zu füttern. Die kommende Nacht hat er auch gut überstanden. Er muss dennoch weiter unter Beobachtung bleiben um sicherzustellen, dass wirklich nicht irgendwo noch was im Darm sitzt und die Darmtätigkeit wieder normal funktioniert. Voraussichtlich am Donnerstag oder Freitag dürfen wir unseren großen Kämpfer dann wieder nach Hause holen.

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Es war wieder mal ein riesen Schreck. Aber langsam lichten sich die schwarzen Rauchwolken wieder und der schöne rosarote Himmel, den wir Reiter doch so alle lieben, blitzt hier und da schon wieder hervor. Ja, wir meistern auch dieses Sommergewitter bestimmt wieder ohne Probleme, aber dennoch wäre ich nach all den Jahren auch dankbar, dass mein Rubi diese schwarzen Wolken lange nicht mehr sehen muss. Er hat schon so viele dunkle Tage in seinem Leben erlebt, dass es sich seine rosaroten Tage mehr als verdient hat.

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