Diagnose

Vorgeschichte und Verdacht
Bereits im Sommer 2015 merkten wir bei Rubi, dass er Probleme bekam beim Fellwechsel. Er brauchte deutlich länger um sein Winterfell zu verlieren. Ansonsten zeigte Rubi zu dem Zeitpunkt keine weiteren Anzeichen.

Anfang November 2015 hatten wir einen Unfall im Gelände, welches im Nachgang betrachtet der Stressfaktor war, welches die Krankheit endgültig zum Vorschein brachte. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte Rubi folgende Symptome:

  • Fettpolster über den Augen
  • starkes Schwitzen (der getrocknete Schweiß war grau und klebrig)
  • Leistungseinbruch
  • Teilnahmslosigkeit
  • vermehrtes Trinken und erhöhter Harnabsatz
  • schlechte Wundheilung
  • verminderter Appetit
  • Muskelabbau (einige Wochen später)
  • Gewichtsverlust (einige Wochen später)

Innerhalb nur weniger Wochen „brach“ mein Pferd komplett ein. Es ging so weit das er nicht mal mehr freiwillig aus der Box wollte und man ihn zu jedem Schritt überreden musste. Ich hatte einfach nicht mehr „mein Pferd“ vor mir, sondern nur noch ein Schatten seiner selbst.

Schlechte Wundheilung

Diagnose – November 2015
Schnell haben wir die Vermutung vom ECS gehabt und Rubi testen lassen. Saisonal bedingt hätte der ACTH Wert nicht über 47 pg/ml liegen dürfen. Rubi hatte allerdings nicht nur einen leicht erhöhten Wert, sondern mit 350 pg/ml einen mehr als deutlich erhöhten Wert.

Medikamentengabe
Unverzüglich haben wir mit der Medikamentengabe von Pracend begonnen. Zunächst gaben wir ¼ Tabletten um Rubi an die starken Medikamente langsam zu gewöhnen. Leider reagierte er bereits am zweiten Tag mit starken Nebenwirkungen. Er hatte starke Bauchschmerzen, lag in der Box und wollte nicht mehr aufstehen. Nach der direkten Behandlung vom Tierarzt haben wir für die erste Zeit einen starken Magenschutz mit dazugegeben. Innerhalb von 4 Wochen steigerten wir die Tabletten von ¼ auf ½, auf ¾ und dann auf 1 ganze Tablette.

 

Erste Maßnahmen
Rubi war bereits von der Turniersaison vom Arbeitspensum „heruntergefahren“ worden. Aufgrund des deutlich erhöhten ACTH Wertes war ein sehr großes Risiko von Verletzungen an Bänder und Sehnen gegeben (Bindegewebsschwäche) und auch sonst war sein Allgemeinzustand nicht so gut, das man hätte mit ihm arbeiten können. In Absprache mit dem Tierarzt haben alles komplett heruntergefahren. Rubi ging nur Schritt und wurde Laufengelassen, er sollte sich zunächst so bewegen wie er selber mochte.

Das Futter haben wir zunächst erst ganz langsam umgestellt. Rubi bekam bis dato immer 1 ½ Schippen Hafer pro Mahlzeit. Die Umstellung auf Getreidefrei wollten wir nicht zu schnell durchziehen. Sein ganzer Körper musste sich nun erstmal an die Medikamente und alles gewöhnen.

 

Rückschlag – Dezember 2015
Im Dezember 2015 ereilte uns ein schwerer Rückschlag. Rubi ging es plötzlich sehr schlecht. An seinem Körper bildeten sich überall Ödeme und Wassereinlagerungen. Auch die Beine schwollen immer mehr an. Eine Woche vor Weihnachten fuhren wir unseren Großen als Notfall in die Tierklinik, erste Diagnose war Verdacht auch Organversagen. Rubi wurde nachts noch komplett auf den Kopf gestellt, alle Organe wurden genauestens untersucht und diverse Tests durchgeführt. Am Ende wurde der Verdacht Gott sei Dank nicht bestätigt. Man konnte nur vermuten woher es kam. Entweder war es eine Reaktion auf das Medikament oder ein ganz seltenes Symptom von ECS.

Nachuntersuchung Nr. 1 – Januar 2016
Die erste Nachuntersuchung im Januar 2016 zeigte eine deutliche Besserung des ACTH Wertes, aber noch nicht den Wunschwert. Rubi lag bei ca. 120 pg/ml womit wir erstmal zufrieden waren.

 

Winter & Frühjahr 2016 – Weiterer Verlauf
Im Januar 2016 nahmen wir nach und nach die Arbeit wieder auf. Rubi war nun an einem Status wo er sich Bewegen musste. Denn der Körper musste in Schwung kommen. Dies war manchmal gar nicht so leicht, wenn man dem Pferd angesehen hat das er sich nicht wirklich bewegen will. Je mehr wir die Bewegung aber steigerten umso wacher wurde Rubi wieder und sein Zustand besserte sich immer mehr. Auch das Medikament schlug an und die ersten äußerlichen Symptome verschwanden wieder. Die Ödeme bildeten sich komplett zurück, auch die Fettpolster über den Augen bildeten sich nach und nach zurück. Die dauerhafte Teilnahmslosigkeit verschwand komplett, an einigen Tagen wirkte Rubi aber immer noch deutlich müde und matt. Durch die mangelnde, kontinuierliche Arbeite verlor er leider auch stark an Muskulatur. Im März haben wir Rubi ein zweites Mal scheren müssen, da das Fell wieder extrem lang und dick wurde. Er schwitze bei der kleinsten Bewegung.

Nachuntersuchung Nr. 2 – April 2016
Ende April 2016 haben wir aufgrund der bevorstehenden Weidesaison erneut ein Bluttest machen lassen. Wir waren immerhin unter die 100 gerutscht und lagen bei einem ACHT Wert von 92 pg/ml. Da ich mich dafür entschieden habe Rubi auf jeden Fall im Sommer mit raus auf die Wiese zu stellen, haben wir die Tabletten-Dosis nochmals erhöht auf insgesamt 1 ½ Tabletten. Wir hofften den ACTH Wert noch weiter senken zu können und somit auch die Gefahr der Hufrehe klein zu halten.

 

Sommer 2016 – Weidesaison
Unser Tierarzt rat uns eigentlich davon ab, Rubi nochmals auf die Weide zu stellen. Das Risiko der Hufrehe sei zu groß. Ich muss ehrlich sagen, das war das erste Mal in meinem Leben das ich gegen den Rat meines Tierarztes gehandelt habe. Ich war nicht dazu bereit mein Pferd über den Sommer tagsüber in der Box zu lassen und ihm das, was er so sehr liebt zu nehmen. Und am besten schaut er noch den ganzen Tag dabei zu, wie seine Kumpels auf die Wiese gehen. Also fand ich mit meinem Tierarzt ein Kompromiss. Rubi geht bis heute täglich drei Stunden auf die Wiese. Er hat sich damit sehr gut arrangiert. Vor der Weidesaison steht für uns genausten, minütliches angrasen an. Das ist nicht nur bei Cushing Pferden wichtig, aber dazu werde ich demnächst nochmal etwas separat berichten.

Sommer 2016 – Weiterer Verlauf
Rubi entwickelte sich über den Sommer 2016 immer mehr zum Positiven. Er war wach und auch wieder motiviert, arbeitet immer besser mit. Die Futterumstellung verlief nicht immer problemfrei, da Rubi sehr wählerisch wurde was die Auswahl seines Müslis anging. Der Tierarzt erklärte mir aber auch, dass die Medikamente sich unter Umständen auch auf den Geschmack auswirken können.

 

Herbst & Winter 2016 – Der nächste Einbruch
Leider gibt es im Herbst 2016 wieder für uns bergab. Nach der Weidesaison fiel Rubi wie in ein Loch. Als die Tage kürzer wurden, das Wetter extrem umschlug, wurde seine Laune extrem schlecht und die Motivation schwand dahin. Mir viel es frühzeitig auf, weil er auch wieder dazu neigte extrem viel zu trinken. Die Box wurde wieder nasser, weil er wieder mehr pinkelte. Es deutete sich also ein neuer Schub an. Ende Oktober haben wir Rubi geschoren, da er innerhalb kürzester Zeit wieder zum Teddy explodiert war. Die Lustlosigkeit war zwar nicht so extrem wie im Winter davor, aber man merkte, dass dies nun ab sofort überhaupt nicht mehr seine Jahreszeit sein wird. Wir kämpften immer noch gegen die deutlich geschwundene Muskulatur und versuchten Rubi auch zu zufüttern. Denn im Winter sah man immer mehr, wie die Rippen sich deutlicher abzeichneten und er in sich einfach mehr eingefallen ist.

 

Nachuntersuchung Nr. 3 – November 2016
Ende des Jahres haben wir erneut einen ACTH Wert ziehen lassen. Dieser lag zu dem im April fast unverändert bei 96 pg/ml. Wir entschieden uns an der Dosis der Medikamente nichts zu ändern.

 

Frühjahr 2017
Man kann fast sagen, mit den ersten richtigen Sonnenstrahlen blühte Rubi komplett auf. Durch eine erneute Futterumstellung im März 2017 legte Rubi nun auch endlich mehr zu, sein Fell glänzte viel mehr und er machte insgesamt einen sehr fitten Eindruck. Und er wurde wach, sehr wach. Wie ein junges Pferd sprang er beim Laufenlassen durch die Gegend, war auch beim Reiten immer motiviert und leistungswillig. Zu dem Zeitpunkt hatte ich das erste Mal seit der Diagnose wieder das Gefühl, meinen „alten“ Rubi vor mir zu haben.

Nachuntersuchung Nr. 4 – April 2017
Auch dieses Mal haben wir wieder vor der Koppelzeit einen neuen ACTH Wert nehmen lassen. Hierfür habe ich mir einen neuen Tierarzt ausgesucht, der sich sehr gut mit Cushing auskennt. In dem Zuge haben wir gleich einen „Allgemein-Check“ durchführen lassen. Der ACTH Wert lag bei 79 pg/ml, den tiefsten Wert den wir bisher erreichen konnten. Trotzdem machte der Wert meinem Tierarzt immer noch etwas sorgen, gerade wegen der bevorstehenden Weidezeit. Also erhöhten wir für eine „14 Tage Kur“ die Medikamentendosis auf 2 Tabletten. Normalerweise schon ein Grenzbereich, aber Rubi vertrug es sehr gut.

 

Sommer 2017
Der Sommer war wunderbar – besser kann man es nicht beschreiben! Rubi war durch und durch super gut drauf, war beim Reiten immer motiviert, wollte arbeiten, war sehr wach und aufgeweckt. Er nahm immer mehr wieder zu, baute schön Muskulatur auf und war eigentlich wieder wie früher. Eine Zeit die wir zusammen sehr genossen haben.

 

 

Nachuntersuchung Nr. 5 – Dezember 2017
Zum Ende des Jahres gab es nochmal einen neuen Blutwert. Der fiel leider nicht wie erwartet aus: der ACTH Wert lag bei über 120 pg/ml, dafür das Rubi schon 1 1/2 Tabletten bekommt leider viel zu hoch. Mein Tierarzt ist auch etwas ratlos. Wir haben nun die Medikamentendosis auf 2 Tabletten pro Tag dauerhaft angehoben. Zumindest bis zum nächsten Bluttest. Dann sehen wir weiter.

 

Herbst/Winter 2017/2018
Bis November ging es Rubi wirklich sehr gut. Er war total fit drauf, sah einfach gut aus und war durch und durch wach. Mit dem Fellwechsel im November spielte dann auch sein Stoffwechsel wieder verrückt. 12 Tage lang rührte er nur sein Heu, kein Kraftfutter an. Ich habe mit meinem Tierarzt sowie der Firma marstall gesprochen und wir beschlossen, das dieses Mal „auszusitzen“. Mitte November bis Mitte Januar fraß er dann wieder normal, dann war das Wetter und die Temperaturen sehr wechselhaft und Rubi tat sich wieder schwerer mit dem fressen. Was sehr schade ist, gerade wo er im Sommer 2017 doch so toll wieder aufgebaut hat. Abgesehen vom Fressen ist er aber echt super drauf, arbeitet ganz toll mit, ist wach und fleißig.
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