3-Jährig

Im April 2018 stand für Q der große Umzug bevor. 3-Jährig ging es nun ab in den Stall. Als Hengst war eine Herdenaufzucht in dem Alter auf dem Gestüt auch leider nicht mehr möglich. Ja, ich habe mich dazu entschieden mein Pferd nicht nur Hengst zu lassen, sondern auch 3-Jährig langsam an das Reiten heranzuführen und bereue zu keinem Zeitpunkt diese Entscheidung. Aufgrund meiner mangelnden Erfahrung mit einem jungen Pferd habe ich mich für einen Stall entschieden, wo mit Kim und Fokko Pfeiffer zwei Trainer vor Ort sind, sie sehr viel Jungpferdeerfahrung aufweisen können. Ich hatte selber viel zu viel Angst etwas zu „versauen“ und war gerade in der ersten Zeit auf Hilfe und Anleitung bei meinem jungen Wilden angewiesen.

Hier findet ihr ein Video zum Umzug

Die ersten zwei Wochen im April bekam er erstmal die Zeit, sich einzugewöhnen und alles kennen zu lernen. Q entpuppte sich als unheimlich neugierig und wissbegierig. So war auch das erste Mal die Trense aufziehen überhaupt kein Problem, auch wenn er das Metallgebiss als etwas merkwürdig empfand. Ich übte bei der Bodenarbeit das Schabracke auflegen und das Berühren mit anderen Dingen und eigentlich war dies total überflüssig, denn Q hatte einfach vor nichts Angst und nahm alles so hin wie es kam. So war es auch kein Wunder das er beim ersten Mal Longiergurt überhaupt keine Reaktion zeigte und auch der Sattel im total egal war.

Hier findet ihr drei Videos zu unserer Eingewöhnungszeit

Im Mai ging es dann an die ersten Aufsitzübungen. Beim ersten und zweiten Mal wurde sich nur über den Sattel gelehnt. Bei den nächstem Mal wurde dann auch das Bein mit rüber genommen und Fokko hat im Sattel kurz Platz genommen. Zwei, drei Schritte geführt – fertig. Dann kam dann die erste richtige „Reiteinheit“. Vorsichtig wieder Platz genommen im Sattel und an der Longe geführt. Dann sollte Q an der Longe brav außenherum Schritt gehen. Das tat er auch, bis er sich plötzlich dafür entschied: „Ach, lass uns ruhig eine Runde traben“. Und so trabte dieses Pferd von sich aus in einer Seelenruhe los, Fokko und Kim haben den Einsatz von Q natürlich gerne mitgenommen. Reiter oben drauf? Kein Problem! Reiter der leichttrabt? Kein Problem! Bereits beim dritten Mal konnten wir Q von der Longe nehmen, was für ihn persönlich auch besser war. Denn Q tat sich viel leichter außenherum zu traben, als auf einem Zirkel. Erstaunlicherweise war er auch schon Begin recht grade und hatte nur sehr wenige Gleichgewichtsprobleme. Auch galoppierte er nie im Kreuzgalopp an und gab sich einfach immer Mühe, alles richtig zu machen.

Hier findet ihr zwei Videos zur Anreitphase mit genauen Infos, wie lange er jeweils geritten wurde.

Der Juni stand im Zeichen der Pause. Denn hier hat er einfach nur seine Koppel und Wellness genossen. Geritten oder longiert wurde nicht.

Ab Juli nahmen wir langsam das Training wieder auf. Unter dem Sattel befand sich Q zwei Mal die Woche, meist kurze Trainingseinheiten. Bald war es auch vorerst nicht mehr nötig den kleinen Mann ab zu longieren. Zu jeder Zeit benahm er sich vorbildlich unter dem Sattel und war immer bemüht alles richtig zu machen. Er erweis sich weiterhin als unerschrocken und ausgeglichen. Das erste Mal auf dem Platz? Kein Problem. Durch große Regenpfützen galoppieren? Kein Problem! Außengeräusche? Kein Problem. Bockende Pferde bei ihm in der Halle? Kein Problem.

Hier findet ihr ein Video zu seinen Fortschritten unter dem Reiter

Im September kam dann mein persönlicher großer Moment: Denn ich habe mich endlich getraut! Getraut selbst auf dem Rücken meines 3-Jährigen Hengstes Platz zu nehmen. Lange hatte ich einfach eine Blockade und auch die ersten Reitversuche für mich waren eigentlich lachhaft. Ich hatte irgendwie in meinem Kopf verankert, dass wenn ich irgendwas falsch mache, mich zu schnell bewege, zu sehr das Bein ran nehme, das Pferd durchgeht und einfach alles schief läuft. Tatsächlich ist das bis zum heutigen Tag nie passiert. Es dauerte also bis ich mich getraut habe „zu reiten“. Sogar länger als ich dachte. Aber die Zeit habe ich mir selber einfach genommen.

Hier findet ihr ein Video zu meinem persönlichen „Magic Moment“ und ein weiteres zu meinen ersten Reitversuchen

Im Oktober stand noch mal Pause an. Dann zum Ende des Jahres erhöhten wir ein um die andere Woche die Reiteinheiten langsam auf drei Mal die Woche.

Hier noch ein Video mit meinem persönlichen Reitstand Ende Dezember

Aber das Reiten stand natürlich nicht nur im Vordergrund. Ich habe versucht die Longierarbeit immer etwas mehr auszubauen. Die ersten Monate hatte ich Q überhaupt nicht ausgebunden und ihn auch da Schritt für Schritt herangeführt. Auch haben wir das Longieren am Kappzaun eingebaut. Ich habe mit Q viel vom Boden aus ausgearbeitet. Für die Grunderziehung und das Bodenarbeits-1×1 habe ich mir Unterstützung von Anja Rudolf geholt. Weiterhin habe ich auch Anti-Schreck-Training mit ihm gemacht, was dann eher zur Spielstunde wurde. Wirklich was erschrocken hat ihn nämlich nichts.

Weiterhin haben wir auch das Freispringen immer mehr mit eingebaut. Zunächst war es Q sehr suspekt, aber er entwickelte immer und immer mehr Freude beim Springen.

Das erste Jahr war ein unfassbares aufregendes Jahr. So viele neue Erlebnisse und Eindrücke, so viele wunderschöne Momente. Natürlich, ein junges Pferd ist sehr Zeit intensiv, denn es muss ja alles neu lernen. Und das fängt schon ganz vorne an: Das Hufe geben, das Anbinden, das Führen, usw. Aber es lohnt sich! Auch wenn es manchmal echt etwas anstrengend ist, es macht dann doch wirklich viel Spaß.

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